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Wenn ich sage, die Kategorien „männlich" und „weiblich" – so wie sie gesellschaftlich mit bestimmten Eigenschaften, Kompetenzen und Verhaltensweisen verknüpft werden – sind Konstruktionen eines Beobachters, dann meine ich damit nicht, dass es keine Unterschiede zwischen Menschen gibt. Ich meine etwas Präziseres: Die Bedeutung, die diesen Unterschieden gegeben wird, ist nicht naturgegeben. Sie ist gemacht. Und sie ist nicht neutral gemacht worden.

Denken wir an konkrete Zuschreibungen: Fürsorge, Empathie, Kooperation, emotionale Intelligenz gelten in vielen Kontexten als „weiblich". Durchsetzungsstärke, Risikobereitschaft, analytisches Denken, Entscheidungsfreude gelten als „männlich". Und – das ist der entscheidende Punkt – die zweite Gruppe wurde in den meisten westlichen Organisationskulturen als die Gruppe von Eigenschaften bewertet, die Führungskompetenz ausmacht. Die erste Gruppe galt lange als nett, aber nicht führungsrelevant.

Aus einer hypnosystemischen Perspektive ist das eine klassische Regeltrance-Struktur: Eine Wirklichkeitskonstruktion wurde so oft wiederholt, dass sie als Wahrheit gilt. Und wer ihr nicht entspricht – unabhängig vom Geschlecht –, zahlt einen Feedbackpreis.

Was dabei besonders wirksam ist: Die Regeltrance trifft nicht nur Frauen, die in Führungspositionen aufsteigen wollen und dabei feststellen, dass die Spielregeln für andere gemacht wurden. Sie trifft auch Männer, die fürsorglich, kooperativ oder verletzbar sind und dafür in vielen Kontexten sanktioniert werden. Und sie trifft alle, die außerhalb der binären Kategorie leben.

Das Muster stabilisiert sich selbst – durch genau den Mechanismus, den Regeltrance immer nutzt: Wer abweicht, zahlt. Wer zahlt, passt sich an. Wer sich anpasst, bestätigt das Muster. Und das Muster erscheint natürlich.