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Das hypnosystemische Denken geht davon aus, dass jedes Muster – auch ein dysfunktionales, auch ein schmerzhaftes – ursprünglich ein kompetenter Lösungsversuch war. Es ist eine Reaktion auf einen Kontext, in dem es damals das Beste war, was möglich war. Es hat einen Preis – aber es hatte auch eine Funktion.

Das gilt auch für Machtstreben.

Mechtild Reinhard, die aus einem hypnosystemischen Grundverständnis heraus ein eigenes Modell der Grundbedürfnisse lebender Systeme entwickelt hat, beschreibt vier grundlegende Pole, in deren Spannung Menschen und Systeme sich bewegen: Anpassung und Loyalität auf der einen Seite, Eigensinn und Autonomie auf der anderen. Kontrolle und Ordnung auf der einen Seite, Bewegung und Impuls auf der anderen.

Wer in einem System aufgewachsen ist – einer Familie, einer Organisation, einer Gesellschaft –, in dem Anerkennung und Zugehörigkeit nur über Rang und Kontrolle zu erreichen waren, hat gelernt: Macht schützt. Macht bedeutet, dass man dazugehört. Macht bedeutet, dass man etwas wert ist.

Dieser Lernprozess ist nicht bewusst. Er läuft unwillkürlich ab, lange bevor jemand darüber nachdenkt. Und er erzeugt Muster, die sich in Führungsrollen dann entfalten: Geltungsstreben, Kontrollbedürfnis, Schwierigkeiten mit Widerspruch und mit Fehlern. Nicht weil die Person „schwierig" ist – sondern weil sie kompetent auf einen Kontext reagiert, der ihr früh eingeschrieben wurde.

Das zu verstehen, ist keine Entschuldigung für Machtmissbrauch. Es ist der erste Schritt, um wirklich etwas daran zu verändern. Wer Machtmuster nur moralisch verurteilt, ohne zu verstehen, welche Bedürfnisse dahinter stehen, verändert das Muster nicht. Er verlagert es.

Gleichzeitig – und das ist die systemische Ergänzung – ist die Person nie allein verantwortlich. Organisationen, die heroische Führungsbilder institutionell belohnen, produzieren diese Führungspersönlichkeiten aktiv mit. Das System ruft das Muster – und dann bestraft es die Person dafür, dass sie es zeigt.