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Das klingt wie falsche Bescheidenheit. Es ist das Gegenteil. Es ist die erste Frage, die Heinz von Foerster – einer der wichtigsten Vordenker des systemischen Denkens – stellen würde, bevor er irgendetwas über ein Phänomen sagt. Von Foerster hat in seiner Kybernetik zweiter Ordnung einen Gedanken formuliert, der so einfach klingt und so weitreichende Konsequenzen hat, dass man ihn zweimal lesen sollte: Der Beobachter ist immer Teil des Beobachteten.
Was bedeutet das für das Thema Macht?
Es bedeutet, dass jede Beschreibung von Macht – auch diese hier – selbst ein Akt ist, der in einem Machtfeld stattfindet. Wer Macht definiert, entscheidet darüber, was als legitime und was als illegitime Ausübung von Einfluss gilt. Wer ein Phänomen als „Machtmissbrauch" rahmt, setzt eine Norm. Wer sagt, welche Führungsform „effektiv" ist, spricht aus einer bestimmten Position heraus – und nicht aus einer neutralen Warte.
Das ist kein Grund, nicht über Macht zu sprechen. Es ist ein Grund, dabei zu bleiben, sich selbst als Beobachter zu beobachten. In der hypnosystemischen Sprache würden wir sagen: Es braucht eine Metaposition – eine Perspektive auf die eigene Perspektive.
Ich werde in diesem Artikel versuchen, diese Haltung durchzuhalten. Nicht als rhetorisches Mittel, sondern weil ich glaube, dass sie der einzig redliche Umgang mit einem Thema ist, das so viele blinde Flecken produziert wie Macht.
Dieser Artikel ist der erste Teil einer Reihe über hypnosystemisches Denken. Wer mit diesem Begriff noch nicht vertraut ist: Das hypnosystemische Modell wurde von Gunther Schmidt entwickelt und verbindet systemische Konzepte – also das Denken in Mustern, Wechselwirkungen und Konstruktionen von Wirklichkeit – mit Erkenntnissen aus der Ericksonschen Hypnotherapie, vor allem der Frage, wie Aufmerksamkeit Erleben erzeugt. Es ist ein Denkrahmen, der ursprünglich für Therapie und Beratung entwickelt wurde – und der sich als außerordentlich fruchtbar erweist, wenn man ihn auf Organisationen, Führung und gesellschaftliche Strukturen anwendet.
Wer Vorkenntnisse mitbringt, wird bekannte Gedanken in neuem Zusammenhang finden. Wer neu ist: Willkommen. Die Konzepte werden dort erklärt, wo sie auftauchen.