Kapitel 7 von 8 ca. 2 Minuten

Da ist zunächst die strukturelle Machtasymmetrie gegenüber den Kostenträgern. Krankenkassen, Jugendämter, Sozialleistungsträger definieren, was als leistungsfähig gilt, was dokumentiert werden muss, welche Ziele erreicht werden sollen. Diese Definitionsmacht – die darüber entscheidet, welche Wirklichkeit zählt und welche nicht – ist massiv. Sie erzeugt in den Organisationen eine Regeltrance der Anpassung: Man richtet sich aus an dem, was messbar und finanzierbar ist, und verliert dabei manchmal den Blick auf das, wofür man eigentlich da ist.

Gleichzeitig ist die Sozialwirtschaft ein Feld, in dem das Wort „Macht" besonders selten ausgesprochen wird. Das liegt an einem tiefen Selbstverständnis: Man hilft. Man sorgt. Man ist auf der Seite der Schwächeren. Diese Grundhaltung ist wertvoll – sie trägt viele Menschen durch schwierige Arbeit.

Aber sie kann eine blinde Stelle erzeugen. Die moralische Überlegenheit – das unausgesprochene Gefühl, „auf der richtigen Seite" zu stehen – ist selbst eine Form von Macht. Sie macht es schwerer, die eigenen Machtstrukturen zu sehen: die Hierarchien innerhalb der Organisation, die Definitionsmacht gegenüber Klientinnen und Klienten, die Regeltrance des „Wir wissen, was gut für dich ist."

Gunther Schmidt beschreibt dieses Muster in Therapie und Beratung sehr präzise: Die Zuweisung zu Hilfe kann selbst eine Machthandlung sein. Wer jemandem sagt – explizit oder implizit –, er brauche Unterstützung, rahmtdadurch die Situation. Die Person, die Hilfe erhält, steht in einem asymmetrischen Verhältnis, das sich nicht durch gute Absichten auflöst, sondern nur durch bewusste Gestaltung.

Die hypnosystemische Antwort darauf: Transparenz und Gleichrangigkeit als Haltung. Nicht als Auflösung des Gefälles – das wäre naiv –, sondern als bewusster Umgang damit. Der Berater, die Fachkraft, die Führungskraft erklärt, was sie tut und warum. Lädt zur kritischen Prüfung ein. Behandelt das Gegenüber als kompetenten Experten für das eigene Leben, auch dann – gerade dann –, wenn dieses Leben gerade schwierig ist.