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5.1 Systemische Grundprinzipien

Das systemische Denken hat einige Grundprinzipien hervorgebracht, die in der Hypnosystemik konsequent angewendet werden. Zirkularität bedeutet: Jedes Verhalten ist gleichzeitig Ursache und Wirkung. Lineare Kausalität – Du bist schuld, Das hat das verursacht – ist eine willkürliche Interpunktion einer zirkulären Wechselwirkung. Sie mag praktisch nützlich sein, ist aber erkenntnistheoretisch eine Vereinfachung, die oft mehr Probleme erzeugt als löst.

Das Kontextprinzip besagt: Alles gewinnt seine Bedeutung erst im Kontext. Dasselbe Verhalten kann Kompetenz oder Krankheit sein – je nachdem, in welchen Rahmen es gestellt wird. Kontextualisierung ist daher keine neutrale Beschreibung, sondern immer schon Intervention. Wer bestimmt, in welchem Rahmen ein Verhalten eingeordnet wird, bestimmt, was es bedeutet.

Systeme organisieren sich durch Muster und Regeln, die sich regelmäßig wiederholen. Gunther unterscheidet Makromuster – interaktionelle Muster zwischen Menschen – von Mikromustern – internalen Prozessen im Individuum. Beide beeinflussen sich ständig und können nicht unabhängig voneinander betrachtet werden.

5.2 Regeltrance: Der kollektive Bewusstseinszustand

Jedes System – Familie, Team, Organisation – entwickelt im Laufe der Zeit unsichtbare Regeln, die bestimmen, was gesagt, gedacht, gefühlt und getan werden darf. Wer sich anpasst, wird belohnt. Wer abweicht, bekommt Feedback – in Form von Missbilligung, Ausgrenzung oder Schmerz. So entsteht, ohne dass es jemand bewusst anstrebt, ein kollektiver Bewusstseinszustand: eine geteilte Wirklichkeitsfokussierung, die alle Beteiligten ohne ihr Wissen in Trance hält.

Typische Regeltrance-Muster in Familien lauten etwa: Die Bedürfnisse anderer sind wichtiger als die eigenen, Man darf nicht abweichen oder Trennung ist existenziell gefährlich. In Organisationen sind es Muster wie intransparente Entscheidungsprozesse, Unklarheit über Rollen und die fehlende Würdigung von Beiträgen. Die Folgen dieser systemischen Trancen sind – wie Schmidt zeigt – qualitativ dieselben wie die Folgen individueller Problemtrance: Angst, Erschöpfung, psychosomatische Symptome, Verlust von Wahlfreiheit.

Eine wichtige metatheoretische Ergänzung gehört hierher: Systeme sind keine Dinge, die unabhängig von der Beschreibung existieren. Sie sind Beobachterkonstrukte. Ein System existiert nicht unabhängig vom Beobachter, der es beschreibt (von Foerster). Das bedeutet für die Praxis: Die Art, wie ein System beschrieben wird, verändert das System – nicht weil die Beschreibung falsch war, sondern weil sie Wirklichkeit erzeugt.