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1. Kompetenzanamnese & kompetenzfokussierende Diagnose

Herkunft: hypnosystemisch

In der klassischen klinischen Praxis beginnt eine Anamnese mit dem Problem: Was fehlt? Was funktioniert nicht? Welche Symptome liegen vor? Die Diagnose, die daraus folgt, beschreibt den Menschen durch seine Defizite — und induziert damit unweigerlich eine Problemtrance. Nicht weil Diagnostiker böswillig wären, sondern weil Sprache Priming ist: Die Frage bestimmt, was als Wirklichkeit erscheint.

Die Kompetenzanamnese dreht diese Suchrichtung um. Sie fragt nicht: „Was ist falsch?" — sondern: „Was funktioniert? Wann war das Gewünschte schon einmal da? Welche Strategien haben in der Vergangenheit geholfen, auch wenn sie vielleicht unvollständig waren?" Das ist keine Beschönigung des Leidens — es ist eine gezielte Fokussierung auf den Teil des Möglichkeitsraums, der Veränderung trägt.

Die kompetenzfokussierende Diagnose erweitert das auf die formale Beschreibung des Menschen: Sie wird gemeinsam mit dem Klienten entwickelt, benennt Stärken explizit, und macht damit erfahrbar, dass Beschreibung immer Wahl ist — keine Abbildung der Wirklichkeit. Die ICD-10-Diagnose für administrative Zwecke kann dabei dennoch erstellt werden — aber als Konstrukt, das reflektiert wird, nicht als Wahrheit über den Menschen.

Ast: 5 (Haltung & Ethik) — primär; gleichzeitig Ast 1 (Trance & Aufmerksamkeit)

Grundaufgabe: Lösungstrance-Induktion — bereits im diagnostischen Gespräch, bevor eine einzige weitere Technik eingesetzt wird

Musterebene: Benennung und Bewertung

Realitätenkellner-Perspektive: Die Kompetenzanamnese ist ein Angebot — keine Pflicht zur positiven Selbstdarstellung. Manche Klienten brauchen zunächst Raum, ihr Leiden vollständig zu beschreiben, bevor sie bereit sind, den Blick zu wenden. Der somatische Marker zeigt, wann der Moment reif ist: wenn die Frage nach Kompetenzen Interesse weckt statt Widerstand.